Shantys-die Lieder der Seeleute
Ein sogenannter Shanty, englisch chanty, waren ursprüngliche Arbeitslieder der Seeleute aus dem 15. Jahrhundert, die beim Segelsetzen, beim Holen der Leinen rhythmisch gesungen wurde. Einzugliedern sind diese Lieder unter der Rubrik der Volkslieder für Seeleute. Diese Lieder halfen den Seeleuten ihre harten und sich immer wiederholenden Arbeiten besser zu synchronisieren.
Die Abstammung des Wortes „Shanty“ ist nach wie vor nicht ganz klar. Dieses Wort kann sowohl von dem französischen Wort „chanter“ abstammen, was übersetzt einfach nur „singen“ bedeutet, als auch aus dem Englischen „chant“ abgeleitet worden sein. Chant hat übersetzt die Bedeutung des Kirchengesang.
In jedem dieser Shantylieder gibt es auch einen Teil der von einem sogenannten Shantymann gesungen wird, anschließend löst ihn die gesamte Gruppe wieder ab. Dieser Solopart ist in der Regel improvisiert. Man unterscheidet im Groben zwei Arten von Shantys, welche sich aus den Tätigkeitsbereichen der Seemänner ableiten lassen. Zum Lichten des Ankers wurden die sogenannten Capstan-Shanties gesungen, de Rhythmen dieses Shantys sind auf die Arbeiten und Bewegungen abgestimmt. Der sogenannte Halyard-Shanty wurde zum setzen der Segel angestimmt. Der Halyard-Shanty lässt sich nochmals unterscheiden in Walkaway – Shanty und Stamp-and-go – Shanty. Desweiteren gibt es den Short-haul-Shanty der zu Strafarbeiten von den Seeleuten angestimmt und gesungen wurde.
Dieser Shanty-Gesang war die einzige Möglichkeit für die Seemänner ihre eigene Meinung und Gefühle auf den Schiffen frei zu äußern. Gleichzeitig lenkte das Singen ab und ließ die Arbeiten auf dem Schiff wesentlich einfacher erscheinen. Die wohl bekanntesten Shanties sind: „Wir lagen vor Madagaskar“, „Eine Seefahrt die ist lustig“ und „Wir lieben die Stürme“. Diese heiteren Lieder wurden ebenfalls nach der Arbeit, in gemütlicher Runde angestimmt. Thematisiert wird in diesen Liedern jedoch in erster Linie die Sehnsucht nach der Heimat und der Familie. Desweiteren erzählen die Chantys von Helden oder einfachen Menschen, sowie von Ihrem Leben und Empfindungen auf Hoher See. Man erfährt in diesen Liedern, dass die Seefahrt nicht wirklich schön war und der Kapitän in der Regel unbeliebt war. Neue Impulse bekamen die Lieder vor allem durch die Internationalität der Seeleute auf einem Schiff. So ist der Einfluss von schwarzen Seeleuten in einem Shanty ganz stark zu spüren.
Shanty-Chors findet man Heutzutage in jeder großen deutschen Stadt und das nicht nur in Städten mit direktem Bezug zum See. Ihr Ziel ist es diese alten Matrosenlieder zu pflegen, aber vor allem weiterzugeben. Die Mitglieder eines solchen Chors sind ungefähr 10 bis 80 Männer in jungem und höherem Alter. Die einzelnen Chöre haben in der Regel Namen, die aus der Seefahrt stammen, wie zum Beispiel „Hart Backboard“, „Blaue Jungs“ oder „Frische Brise“. „Starke Stimme, starke Männer“ – das ist zum Beispiel das Motto des Capstan Shanty Chors aus Bremen. Die Shanty-Gruppe „Hart Backbord“ wiederum kann sogar Konzerte in Übersee vorweisen. Sie spielten vor einigen Jahren in Südamerika und London. Allerdings werden diese Auslandsauftritte nur in kleiner Besetzung gespielt. Ansonsten wird regelmäßig in Deutschland bei großen Festivals oder Hafenkonzerte gespielt. Einige der Shanty-Chöre können sogar aufgenommene CDs vorweisen, die sie gerne und mit viel Erfolg an ihr Publikum verkaufen. Gründer dieser Männerchöre sind oft alte Seemänner.